Die Kurstadt Luhačovice am östlichen Rand Mährens gehört zu den schönsten tschechischen Kurstädten. Ihre einzigartige Atmosphäre verdankt sie jedoch nicht nur den heilenden Mineralquellen, sondern vor allem dem architektonischen Erbe eines Mannes — Dušan Samuel Jurkovič. Dieser slowakische Architekt, geboren 1868 in Turá Lúka in der Slowakei, prägte Luhačovice mit einem unverwechselbaren Charakter, der sie von allen anderen europäischen Kurstädten unterscheidet. Seine Bauten in Luhačovice, die hauptsächlich in den Jahren 1902 bis 1903 entstanden, stellen ein einzigartiges Beispiel der sogenannten Volkskunst-Sezession dar — einem Architekturstil, der die Traditionen der mährischen und slowakischen Folklore mit modernen Prinzipien der Sezessionsarchitektur verbindet.
Dieser Führer führt Sie durch alle erhaltenen Jurkovič-Bauten in Luhačovice, erläutert deren Geschichte, architektonische Details und heutige Nutzung. Ob Sie Architektur- und Geschichtsliebhaber sind oder einfach Inspiration für einen Ausflug suchen, Jurkovičs Luhačovice werden Sie zweifellos bezaubern.
Dušan Samo Jurkovič wurde am 23. August 1868 in Turá Lúka bei Myjava in der westlichen Slowakei geboren. Er wuchs in einer Umgebung auf, wo die Tradition der Volkskultur lebendig war, und diese Erfahrung begleitete ihn sein ganzes Leben lang. Er studierte an der Staatlichen Gewerbeschule in Wien, wo er sich mit zeitgenössischen Architekturströmungen vertraut machte, und wirkte anschließend in Brünn beim Architekten Karel Hugo Kepka.
Jurkovič zeichnete sich von Beginn seiner Laufbahn durch einen einzigartigen Ansatz zur Architektur aus. Anstatt historische Stile blind zu übernehmen, die damals die europäische Architektur dominierten, suchte er Inspiration in der Volksarchitektur Mährens und der Slowakei. Er studierte Holzhäuser in der Walachei, Bauernhäuser in der Slowakei, verfolgte die Bauprozesse der Volksbaumeister und dokumentierte ornamentale Motive schöner Stickereien und Keramik. Diese Forschung wurde zur Grundlage seines kreativen Programms.
Jurkovičs architektonischer Stil wird als Volkskunst-Sezession oder Folk Art Nouveau bezeichnet. Im Unterschied zur Wiener Sezession, die aus abstrakten geometrischen Formen schöpfte, oder zur Prager Sezession, die von französischen Vorbildern beeinflusst war, schuf Jurkovič eine völlig originelle Synthese. Er verband organische Formen der Sezessionsarchitektur mit konkreten Motiven der Volkskunst — farbigen Ornamenten, Holzschnitzereien, Fachwerkmauerwerk und mit geschnitzten Mustern verzierten Säulen.
Der Geschichte von Jurkovičs Luhačovice ging ein wichtiger Wandel in der Kurverwaltung voraus. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war Luhačovice eine verfallende fürstliche Kurstadt, die den berühmten Kurmetropolen Mitteleuropas nicht Konkurrenz machen konnte. Der Wendepunkt kam 1902, als das Kurbad in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Otto Serényi wurde zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats gewählt und MUDr. František Veselý wurde Kurdirektor.
Gerade František Veselý sprach gemeinsam mit Dr. Cyril Holubý bereits 1901 den jungen Architekten Dušan Jurkovič mit einem Kooperationsangebot an. Veselý hatte eine klare Vision: die rückständigen Kurbäder in ein modernes, architektonisch interessantes Kurzentrum zu verwandeln, das Gäste aus ganz Österreich-Ungarn anziehen würde. Jurkovič, damals bereits durch seine Bauten auf Pustevny in den Beskiden bekannt, war für diese Aufgabe der ideale Kandidat.
Jurkovič ging mit außergewöhnlicher Energie und visionärer Absicht an die Arbeit. Er beschränkte sich nicht nur auf den Entwurf einzelner Gebäude — er bereitete ein umfassendes urbanistisches Konzept für das gesamte Kurzentrum vor. Sein Ansatz war revolutionär darin, dass er eine harmonische Verbindung der Architektur mit der umgebenden Natur anstrebte. Die Gebäude sollten fließend in die Parklandschaft übergehen und das gesamte Kurareal sollte als organische Einheit wirken.
Die Architektur von Luhačovice sollte sich diametral von den damaligen westeuropäischen und mitteleuropäischen Kurbädern unterscheiden, die der Welle des Historismus und Eklektizismus unterlegen waren. Jurkovič brachte bewusst Inspirationen aus der Volkskunst in die Kurarchitektur ein und schuf damit etwas völlig Einzigartiges im Kontext der gesamteuropäischen Kurkultur.
In den Jahren 1902 bis 1903 realisierte Jurkovič die grundlegende Verwandlung von Luhačovice. Während nur zweier Jahre baute oder rekonstruierte er hier vierzehn Bauten, von denen drei private Aufträge waren. Insgesamt wirkte er in Luhačovice bis 1914. Bis heute haben sich von seinen Luhačovice-Werken acht Bauten erhalten, die den Kern des Kurzentrums bilden und alle Kulturdenkmäler sind.
Das Jurkovič-Haus ist zweifellos das bedeutendste und bekannteste aller Jurkovič-Bauten in Luhačovice. Es befindet sich direkt im Herzen des Kurareals und gilt als Hauptwerk des Architekten in dieser Stadt. Ursprünglich hieß das Gebäude Jan-Haus, nach seinem Bauherrn — Graf Jan Serényi, der es im klassizistischen Stil 1822 nach Entwürfen von Franz Waschitschek errichten ließ. 1947 wurde das Haus zu Ehren seines Umgestalters umbenannt.
Jurkovič verband 1902 zwei ältere Gebäude zu einem Ganzen, baute ein weiteres Stockwerk und Dachgeschoss an und schmückte das gesamte Objekt außen wie innen mit farbigen Malereien und Holzelementen. Bei der Adaptierung demonstrierte er seine Fähigkeit, verschiedene Materialien zu kombinieren — ursprüngliche getrocknete Lehmziegel verband er mit modernen Betonsäulen, Fachwerkmauerwerk mit Keramikfliesen.
Das zweistöckige Objekt im Stil der Volkskunst-Sezession besteht aus vier Flügeln. Die Fassade schmückt eine Reihe hölzerner architektonischer Elemente, die von der Volksarchitektur inspiriert sind — gedrechselte Säulen, farbig bemalte Fensterrahmen und Leisten mit geometrischen und pflanzlichen Motiven. Die Hauswände schmücken stilisierte Blumenmuster, in denen man beispielsweise das Motiv des Labkrauts erkennen kann, das Jurkovičs Lieblingspflanze war.
An den Seiten des Gebäudes baute er polygonale Treppenhallen mit Luxfer-Glas vom Typ Falconiere an, die Licht durchließen und in den Innenräumen ein Farbenspiel erzeugten. Das gesamte Innere des Gebäudes, inspiriert von der englischen Architektur, schmückte er reich mit Holzelementen, deren Themen er aus der slowakischen und mährischen Folklore schöpfte. Die Zimmer verband er durch Laubengänge und schuf so einen überraschend geräumigen und luftigen Innenraum.
Heute dient das Jurkovič-Haus als Vier-Sterne-Kurhotel mit 80 Betten. Die Zimmer sind mit zeitgenössischen Möbeln ausgestattet, die die ursprüngliche Atmosphäre unterstreichen. Im Rahmen der Rekonstruktion wurden hier ein Schwimmbad, eine Sauna und ein Restaurant für Hotelgäste eingerichtet. Seit 1958 steht das Jurkovič-Haus auf der Liste der Kulturdenkmäler der Tschechischen Republik.
Chaloupka gehört zu den ursprünglichsten Jurkovič-Bauten in Luhačovice. 1902 adaptierte der Architekt ein ehemaliges Küchenhaus aus dem Jahr 1850 zu einer Wohnvilla. Das ursprüngliche einstöckige Holzobjekt ergänzte er um ein neues Fachwerkgeschoss mit hölzernem Dachgeschoss. An das Gebäude baute er ein Treppenhaus, Sanitäranlagen und Kamine an und schuf eine Wohnung mit drei Zimmern und Küche im Erdgeschoss sowie vier Zimmern für Kurgäste im ersten Stock.
Chaloupka ist einer jener Bauten, wo Jurkovičs Liebe zum Holz am deutlichsten zum Ausdruck kam. Hölzerne Fassadenverkleidung, geschnitzte Fensterläden, bemalte Ornamente — all das evoziert das traditionelle Walachei-Bauwesen, jedoch in moderne Kurproportionen übertragen. Das Gebäude steht bis heute im Kurareal und gehört zu dessen reizvollsten Ecken.
Villa Vlastimila, 1903 erbaut, ist ein weiteres Beispiel von Jurkovičs Kunst. Diese freistehende Villa mit Blockcharakter und seitlich quergestellten Flügeln wurde nahezu symmetrisch entworfen. Die räumliche Konzeption des Gebäudes zeugt von Jurkovičs wachsendem Selbstbewusstsein und der Fähigkeit, gleichzeitig mit Volumen und Detail zu arbeiten.
Villa Valaška, 1907 für den Bauunternehmer Novák erbaut, stellt eine bemerkenswerte Wende in Jurkovičs Schaffen dar. Im Unterschied zu früheren Luhačovice-Bauten ist Valaška kein klassischer „bemalter“ Jurkovič-Bau und enthält nicht so ausgeprägte Elemente der Volksarchitektur. Die freistehende dreistöckige Villa mit quadratischem Grundriss ist von einem Garten umgeben.
Der Architekt konzipierte sie als Typ eines Familienhauses mit zentraler Eingangshalle und Treppenhaus, das die Gebäudeachse bildet, gekrönt von einem achteckigen angegliederten Turm. Die Inspiration durch die Walachei-Architektur ist hier eher in der Gesamtkonzeption der Masse und im Verhältnis des Baus zur umgebenden Landschaft erkennbar als in der oberflächlichen Dekoration. Villa Valaška dient heute als luxuriöses Spa- und Wellness-Hotel und bietet ihren Besuchern ein einzigartiges Erlebnis des Wohnens in einem authentischen Jurkovič-Bau.
Villa Jestřabí ist einer der markantesten Jurkovič-Bauten in Luhačovice. Der Architekt konzipierte sie als auffallend symmetrischen Bau, dessen hauptsächliches architektonisches Merkmal die seitlich quergestellten Flügel auf beiden Gebäudeseiten sind. Das Objekt entstand durch Umbau der ehemaligen Jestřábský-Mühle — Jurkovič ließ das ursprüngliche steinerne Erdgeschoss bestehen und erhöhte das Gebäude um ein hölzernes Fachwerkgeschoss, dann vereinte er den ganzen Bau unter einem Dach.
Die Villa war für luxuriöse Unterbringung von Kurgästen bestimmt und gehörte von Anfang an zu den prestigeträchtigsten Adressen in Luhačovice. Ihre Fassade kombiniert steinerne und hölzerne Elemente, wodurch ein charakteristischer Kontrast zwischen der Massivität des unteren Teils und der Leichtigkeit des oberen hölzernen Aufbaus entsteht. Gegenwärtig ist die Villa Teil des Kurareals und steht den Kurgästen zur Verfügung.
Das Areal der Sonnenbäder und der Wasserheilanstalt bildet einen der größten Jurkovič-Komplexe in Luhačovice. Die Sonnenbäder, 1903 erbaut, bestanden aus einem Eingangs-Umkleidegebäude und offenen Kabinen, die entlang des Beckens aufgestellt und von weißen Leinentüchern beschattet waren. Auf den Terrassen der Bäder standen geschmackvolle Holzliegen und befanden sich Volleyballplätze, Tischtennis, Turngeräte und auch Kinderkarussells. Hier fanden berühmte Schwimmwettkämpfe statt.
Die Wasserheilanstalt, wo Jurkovič ein älteres Objekt mit Nutzung des bestehenden steinernen Erdgeschosses und Backsteingeschosses umbaute, stellte die hauptsächliche Heileinrichtung der Kurbäder dar. Die Wasserbehandlung — sogenannte Hydrotherapie — gehörte zu den Grundprozeduren der Luhačovice-Kurbäder, und Jurkovič entwarf dafür ein Objekt, das Zweckmäßigkeit mit ästhetischer Qualität verband.
In den Jahren 2021 bis 2024 wurde das gesamte Areal einer umfassenden Rekonstruktion unterzogen. Im März 2024 wurde hier ein interaktives Museum eröffnet, das heute eine der Dominanten von Luhačovice ist. Im Mai 2024 wurden die Sonnenbäder feierlich wiedereröffnet. Besucher finden hier Expositionen zur Wasserheilkunde, zum Architekten Dušan Jurkovič und zum Komponisten Leoš Janáček. Zur Verfügung stehen drei Rundgangsrouten, ein hölzerner Steg über dem Becken und eine Erholungszone. Die Rekonstruktion wurde im Rahmen des Wettbewerbs Bau des Jahres 2025 ausgezeichnet.
Der Musikpavillon ist einer der ikonischsten und meistfotografierten Jurkovič-Bauten. Dieser völlig hölzerne Bau auf schmalem steinernem prismatischen Fundament wirkt, als stünde er auf Hühnerbeinen — viele Besucher werden beim Anblick an ein Märchenhäuschen erinnert. Der Pavillon war ursprünglich für das Kurorchester entworfen und auf dem Kurplatz beim Jan-Haus aufgestellt, später wurde er in die Nähe der Villa Jestřabí versetzt, wo er bis heute steht.
Das trichterförmige Dach des Pavillons, ursprünglich mit Schindeln gedeckt, hatte ausgezeichnete akustische Eigenschaften und ermöglichte, dass die Musik in die weite Umgebung des Kurparks getragen wurde. Der ganze Bau ist reich mit Schnitzerei- und Malereimotiven geschmückt, die von der Volkskunst inspiriert sind. Der Musikpavillon dient bis heute seinem ursprünglichen Zweck — in den Sommermonaten finden in ihm Konzerte und Kulturveranstaltungen statt. Es ist ein Bau, der perfekt Jurkovičs Fähigkeit illustriert, Funktion mit künstlerischem Ausdruck zu verbinden.
Die Slowakische Bude, 1906 erbaut, wurde für fast hundert Jahre zu einem der beliebtesten Orte in Luhačovice. Das Gebäude diente als Pension und Restaurant, wo sich tschechische und slowakische Journalisten, Schriftsteller und Politiker trafen. Die Slowakische Bude wurde zum Symbol tschechisch-slowakischer Begegnungen und zum Ort der Volksunterhaltung, wodurch sie Jurkovičs Ideal der Architektur als Träger kultureller Identität erfüllte.
Der Bau verband Unterbringungs- und gastronomische Funktion und wurde zum gesellschaftlichen Zentrum von Luhačovice. Hier wurden bedeutende gesellschaftliche Veranstaltungen mit politischer Wirkung organisiert, besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das Gebäude, das einst den Dialog zweier Brudervölker vermittelte, ist leider nicht erhalten geblieben.
Unter Jurkovičs Bauten in Luhačovice war auch ein Inhalationspavillon, der für die Inhalationsbehandlung mit Mineralwässern eingerichtet war. Das ursprüngliche Jurkovič-Inhalatorium wurde 1922 abgerissen und an seiner Stelle ein neues Inhalatorium mit Gurgelzimmern errichtet. Obwohl sich der ursprüngliche Jurkovič-Bau nicht erhalten hat, dokumentiert seine Existenz, dass der Architekt in Luhačovice nicht nur repräsentative und Unterbringungsgebäude, sondern auch alle Heilbetriebe entwarf.
Der Begriff Volkskunst-Sezession oder auch Folk Art Nouveau bezeichnet eine Architekturrichtung, deren bedeutendster und eigentlich auch einziger konsequenter Vertreter gerade Dušan Jurkovič war. Im Unterschied zur Wiener Sezession Otto Wagners und Josef Hoffmanns, die reine geometrische Formen und neue Materialien wie Stahl und Glas anstrebte, und im Unterschied zur Prager Sezession, die von französischen und belgischen Vorbildern beeinflusst war, ging Jurkovičs Volkskunst-Sezession von regionaler Tradition aus.
Jurkovič studierte die Volksarchitektur in der Walachei, in der Slowakei und in anderen Gebieten der Karpaten. Er dokumentierte Bauprozesse, Ornamente, Farbschemata und die Art, wie Volksbaumeister mit der Landschaft arbeiteten. Diese Erkenntnisse verwandelte er dann schöpferisch in moderne Architektur. Das Ergebnis war keine einfache Nachahmung von Volksbauten, sondern eine völlig neue architektonische Sprache, die folkloristische Wurzeln hatte, aber eine moderne Sprache sprach.
Die ornamentale Ausschmückung von Jurkovičs Bauten schöpft aus einem breiten Spektrum folkloristischer Quellen. An den Fassaden und in den Innenräumen seiner Luhačovice-Gebäude finden wir Motive, die von der mährischen und slowakischen Volkskunst inspiriert sind — stilisierte Blumenmuster, geometrische Bordüren, die an Muster von Volksstickereien erinnern, farbige Kompositionen, die auf Ostereier und bemalte Keramik verweisen.
Jurkovič beschränkte sich nicht auf bloße visuelle Zitate. Er verstand tief die Prinzipien der Volkskunst — ihren Rhythmus, ihre Symmetrie, das Verhältnis des Ornaments zur Fläche und zur Funktion des Gegenstandes. Dieses tiefe Verständnis ermöglichte ihm, Dekorationen zu schaffen, die natürlich und organisch wirken, nicht künstlich oder aufgesetzt.
Jurkovičs Architektur ist untrennbar mit Holz verbunden. Der Architekt wird oft als „Dichter des Holzes“ bezeichnet wegen seiner Fähigkeit, dieses Material in all seinen Formen zu nutzen — von Konstruktionsbalken und Fachwerkmauerwerk über geschnitzte Säulen und Fensterläden bis hin zu feinen Schnitzerei-Details. Holz verleiht seinen Bauten Wärme, menschlichen Maßstab und natürliche Beziehung zur umgebenden Natur.
Außer Holz arbeitete Jurkovič aber auch mit anderen Materialien. In seinen Bauten finden wir Stein in Fundamenten und Erdgeschossen, Ziegel, Luxfer-Glas vom Typ Falconiere, das farbiges Licht durchlässt, geschmiedete Eisenelemente, Keramikfliesen und farbige Malereien. Diese Materialvielfalt ist eines der Schlüsselmerkmale seines Schaffens — jedes Material wird dort verwendet, wo es seine Funktion am besten erfüllt, und trägt gleichzeitig zur gesamten ästhetischen Wirkung bei.
Einer der markantesten Aspekte von Jurkovičs Architektur ist ihr Verhältnis zur umgebenden Landschaft. Der Architekt entwarf seine Gebäude so, dass sie fließend in den umgebenden Park und die Natur übergehen. Die Verwendung natürlicher Materialien, besonders Holz und Stein, und die Farbigkeit der Fassaden, die mit dem umgebenden Grün harmoniert, zeugen von Jurkovičs sensiblem Wahrnehmen des landschaftlichen Kontexts. In dieser Hinsicht war er seiner Zeit voraus — der Gedanke der organischen Architektur, der erst im 20. Jahrhundert dominant wurde, war in Jurkovičs Werk bereits an seinem Anfang präsent.
Alle erhaltenen Jurkovič-Bauten in Luhačovice befinden sich im kompakten Kurzentrum und können bequem zu Fuß besichtigt werden. Wir empfehlen, für die Besichtigung etwa zwei Stunden einzuplanen, damit Sie genug Zeit haben, nicht nur die Außenseiten zu betrachten, sondern auch die Details und Atmosphäre des Kurparks zu genießen.
Empfohlene Route:
Die Gesamtlänge der Route beträgt etwa 2 Kilometer. Die Route führt über ebene und gepflegte Wege des Kurparks, so dass sie auch für Familien mit Kindern oder Besucher mit eingeschränkter Mobilität geeignet ist. Unterwegs kommen Sie auch an Vincentka vorbei, der berühmtesten Luhačovice-Mineralquelle, wo Sie sich aufhalten und das hiesige Heilwasser kosten können.
Noch vor seinem Wirken in Luhačovice schuf Jurkovič seine ersten bedeutenden Werke auf Pustevny in den Mährisch-Schlesischen Beskiden. Im Auftrag der Gebirgsvereinigung Radhošť entwarf er 1897 die Touristenhütte Libušín und die benachbarte Maměnka. Beide Bauten, feierlich 1899 eröffnet, stellten die erste komplexe Realisierung von Jurkovičs Vision der Volkskunst-Sezession dar.
Libušín, ursprünglich als Speisesaal und Gesellschaftssaal dienend, ist für seine reiche Holzausschmückung mit Motiven der tschechischen und slowakischen Mythologie bekannt. 2014 brannte Libušín tragisch ab, wurde aber anschließend rekonstruiert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Maměnka, als Herberge dienend, behielt ihre ursprüngliche Gestalt und ist heute Teil des Freilichtmuseums der Walachei.
In der Slowakei, auf dem Berg Bradlo über Brezová pod Bradlom, steht das monumentale Denkmal für General Milan Rastislav Štefánik, einen der Gründer der Tschechoslowakei. Jurkovič entwarf das Denkmal, und das Werk wurde am 23. September 1928 feierlich enthüllt. Es handelt sich um einen Bau, der völlig aus seiner typischen Poetik herausfällt. Anstelle von Holz und folkloristischen Ornamenten arbeitete er hier mit Stein und reiner Geometrie — das stufenförmige Denkmal mit Travertinbögen hat monumentalen, fast antiken Charakter. Das Denkmal ist bis heute eines der bedeutendsten Denkmäler in der Slowakei.
Seine eigene Familienvilla baute sich Jurkovič 1906 im Brünner Stadtteil Žabovřesky, an einem steilen Hang über der Svratka. Die Villa stellt einen bedeutenden Wandel im Schaffen des Architekten dar — Jurkovič wendet sich hier von der Nachahmung der volkstümlichen Holzbauten zu einer freieren und kreativeren Behandlung folkloristischer Motive, mit ausgeprägter Neigung zu Geometrie und Abstraktion.
Heute dient die Villa als Museum und Ausstellungsraum unter der Verwaltung der Mährischen Galerie in Brno. Ständige und Wechselausstellungen stellen Leben und Werk des Architekten vor und ermöglichen Besuchern Einblicke in die intime Umgebung, in der Jurkovič lebte und schuf. Der Besuch der Brünner Villa ist eine ideale Ergänzung zur Besichtigung der Luhačovice-Bauten.